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Hagenlocher PR Kommunikationsagentur

Azubi-Gewinnung: Woran Entscheidungen wirklich hängen

Wie gewinne ich Azubis - was entscheidet über Berufswahl

Wie Unternehmen erfolgreich Nachwuchs gewinnen

In Zeiten des Fachkräftemangels kämpfen Unternehmen um jeden Auszubildenden. Doch viele scheitern bereits an der Grundlage erfolgreicher Kommunikation.

Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg

Das T&U-Kommunikationsmodell zeigt einen systematischen Weg auf, wie Unternehmen Vertrauen aufbauen können – ein entscheidender Faktor gerade bei der Gewinnung von Auszubildenden.

Modell der T&U-Kommunikationstreppe
Modell der T&U-Kommunikationstreppe

Vertrauen spielt eine zentrale Rolle, wenn junge Menschen und ihre Eltern sich für einen Ausbildungsbetrieb entscheiden. Moderne Azubis schauen längst nicht mehr nur auf Gehalt und Ausbildungsinhalte, sondern bewerten auch Werte, Arbeitsumfeld und Zukunftsperspektiven. Ein Betrieb, der sichtbar, bekannt und glaubwürdig ist, hat deutlich bessere Chancen, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Verständnis und Loyalität sorgen schließlich dafür, dass Auszubildende nicht nur ankommen, sondern auch bleiben und sich engagieren.

Die sechs Stufen zum Erfolg

Das T&U-Kommunikationsmodell beschreibt sechs aufeinander aufbauende Stufen, die Unternehmen systematisch durchlaufen sollten. Den Grundstein bildet die Sichtbarkeit – ohne Wahrnehmung keine Chance auf Erfolg. Unternehmen müssen zunächst durch Teilnahme an Schulmessen und Berufsinformationsmessen, eine authentische Social-Media-Präsenz auf Instagram oder TikTok sowie gezieltes Sponsoring lokaler Sportvereine überhaupt ins Bewusstsein der Zielgruppe gelangen.

Der zweite Schritt ist die Bekanntheit. Name und Marke des Ausbildungsbetriebs müssen im Gedächtnis bleiben. Dies gelingt durch wiederholte Präsenz in Schulveranstaltungen, regelmäßige Kooperationen mit Lehrkräften und Berufsberatungen sowie kontinuierliche Praktikums- und Schnupperangebote. Besonders effektiv sind Azubi-Blogs und Erfahrungsberichte ehemaliger Auszubildender, die Authentizität vermitteln.

Die dritte Stufe befasst sich mit dem Image. Hier geht es um die emotionale Bindung – wie fühlt sich der Betrieb an, welche Werte verbinden junge Menschen damit? Unternehmen sollten ihre Unternehmenskultur aktiv präsentieren, etwa durch Videos wie „Ein Tag im Ausbildungsbetrieb“ oder Interviews mit aktuellen Azubis. Soziale Projekte und Nachhaltigkeitsmaßnahmen verstärken den positiven Eindruck zusätzlich.

Reputation bildet die vierte Stufe. Glaubwürdigkeit entsteht durch tatsächliches Handeln und bewährte Qualität. Bewertungen und Testimonials ehemaliger Azubis sowie deren Eltern schaffen Vertrauen. Zertifikate als „Top-Ausbildungsbetrieb“, transparente Übernahmequoten und positive Medienberichte untermauern die Reputation nachhaltig.

Die fünfte Stufe ist das Vertrauen selbst. Kandidaten müssen glauben, dass der Betrieb hält, was er verspricht. Transparente Informationen über Ausbildungsinhalte, Vergütung und Entwicklungsmöglichkeiten sind ebenso wichtig wie klare Kommunikationswege und verlässliche Ansprechpartner. Live-Q&A-Sessions und schnelle Reaktionen auf Bewerbungen stärken das Vertrauen zusätzlich.

Den Abschluss bildet das tiefere Verständnis. Hier entwickeln Bewerber eine echte Identifikation mit den Unternehmenswerten und -zielen. Storytelling spielt eine wichtige Rolle – warum bildet das Unternehmen aus, welche Vision verfolgt es? Praktische Einblicke durch Job Shadowing oder Mentorenprogramme vertiefen das Verständnis. Die Kommunikation über Karrierewege und Perspektiven nach der Ausbildung rundet das Bild ab.

Ein strategischer Fahrplan für die Praxis

Unternehmen, die erfolgreich Auszubildende gewinnen wollen, sollten ihre Aktivitäten systematisch planen. In den ersten drei Monaten stehen Sichtbarkeit und Bekanntheit im Mittelpunkt – durch Messepräsenz, Social-Media-Start und gezielte Schulansprache. Die Monate vier bis sechs konzentrieren sich auf Image und Reputation durch Azubi-Stories, Pressearbeit und die Nutzung vorhandener Auszeichnungen. In der dritten Phase, den Monaten sieben bis neun, geht es um Vertrauen und Verständnis durch Bewerber-FAQs, Mentorenprogramme und die Vorbereitung des Onboardings. Ganzjährig sollten Unternehmen Kontinuität in den sozialen Medien und bei Schulkooperationen sicherstellen.

Einfluss der Stakeholder auf die Entscheidung für einen Ausbildungsplatz
Einfluss der Stakeholder auf die Entscheidung für einen Ausbildungsplatz

Ein ganzes Dorf entscheidet mit

Die Berufswahl ist längst kein Einzelkampf mehr, sondern ein kollektiver Prozess verschiedener Anspruchsgruppen. Eltern fungieren als stärkster Einflussfaktor und wichtigste Vertrauensperson. Lehrkräfte vermitteln nicht nur Praktika, sondern prägen die grundsätzliche Orientierung ihrer Schüler. Die Agentur für Arbeit dient als offizielle Beratungsinstanz, während Freunde und Mitschüler für Orientierung und Gruppendynamik sorgen. Vereine und Freizeiteinrichtungen bieten Touchpoints und damit niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten, Kommunen und Netzwerke verstärken die regionale Sichtbarkeit. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln für jede dieser Gruppen maßgeschneiderte Botschaften und Zugänge.

Der gefährliche Blick durch die eigene Brille

Ein häufiger Fehler liegt im mangelnden Perspektivwechsel. Viele Marketing- und PR-Verantwortliche entscheiden aus ihrer eigenen Lebenswelt heraus. Die 21-jährige PR-Assistentin, die Social Media liebt, setzt TikTok-Kampagnen auf, um 13-Jährige zu erreichen. Doch möglicherweise interessieren sich diese Jugendlichen mehr für Fußball im Verein als für Instagram-Reels, oder ihre Eltern stammen aus einem kulturellen Hintergrund, in dem Ausbildung ganz anders bewertet wird.

Die Lösung liegt im konsequenten Perspektivwechsel – hinein in die Lebenswelt der Jugendlichen. Nur wer Freizeitverhalten, kulturellen Hintergrund, Sprachstil und Bildungsumfeld der Zielgruppe wirklich versteht, kann relevante Botschaften entwickeln.

Der Marathon zur Berufswahl

Der Zeitstrahl zeigt den Weg von Klasse 7 bis zur Entscheidung zu einem Ausbildungsplatz
Der Zeitstrahl zeigt den Weg von Klasse 7 bis zur Entscheidung zu einem Ausbildungsplatz

Die Berufswahl ist ein mehrjähriger Prozess mit wiederkehrenden Einflussfaktoren. Erste Orientierungen beginnen bereits ab Klasse 7 oder 8, die intensive Auseinandersetzung startet meist ab Klasse 8 oder 9. In den Abschlussjahrgängen folgen konkrete Vorbereitung und letztendlich die Entscheidung. Frühe und wiederholte Kontakte sind entscheidend, um im „Relevant Set“ der Jugendlichen zu bleiben.

Die vier entscheidenden Hebel

Vier Faktoren geben letztendlich den Ausschlag für oder gegen eine Ausbildung. Den größten Einfluss haben die Eltern als wichtigste Vertrauensanker. Praktika und Nebenjobs wirken oft als entscheidender Auslöser, weil sie authentische Einblicke ermöglichen. Peers verstärken als Trendgeber Entscheidungen durch Gruppendynamik. Social Media schließlich wirkt als Katalysator, der Nähe schafft, aber den realen Eindruck nicht ersetzen kann.

Balkendiagramm, das zeigt, was den Ausschlag für eine Ausbildung gibt.
Was den Ausschlag für eine Ausbildung gibt.

Verschiedene Welten, verschiedene Strategien

Je nach Schulform variieren die Entscheidungsmuster erheblich. An Haupt- und Werkrealschulen fallen Entscheidungen früh und pragmatisch, Eltern und Schule prägen stark. Realschüler wägen verschiedene Optionen ab – hier gewinnen Praktika und Lehrkräfte an Bedeutung. Gymnasiasten haben zunächst das Studium im Fokus, Ausbildung oder duales Studium werden nur bei klarer Perspektive attraktiv. Gleichzeitig spielt Social Media als Kommunikationskanal bei Gymnasiasten eine stärkere Rolle.

Unterschiede nach Schulform

 Haupt-/
Werkrealschule
RealschuleGymnasium
ZeitpunktFrühe EntscheidungVergleich mehrerer OptionenStudium im Fokus
MerkmalePragmatischEntscheidung Ende Kl. 10Ausbildung bei klarer Perspektive
EinflüsseEltern/Schule prägendPraktika & Lehrkräfte wichtigSocial Media relevanter

Was wirklich überzeugt

Attraktivität entsteht vor allem durch Authentizität und Realismus. Unternehmen müssen echte Einblicke in den Alltag gewähren und klare Entwicklungspfade sowie Perspektiven aufzeigen. Sicherheit und Work-Life-Balance werden immer wichtiger. Entscheidend ist außerdem die Kontinuität in der Kommunikation statt sporadischer Kampagnen, die schnell verpuffen.

Orchestrierung in vier Phasen

Erfolgreiche Azubi-Gewinnung durchläuft vier strategische Phasen. In der Awareness-Phase geht es um frühe Präsenz durch Betriebserkundungen und kurze Social-Media-Clips. Die Exploration-Phase setzt auf erste Praktika, Azubi-Botschafter und Elternabende.
In der Vorbereitungsphase stehen Intensivpraktika, Bewerbungstrainings und regionale Events im Mittelpunkt. Die Conversion-Phase schließlich konzentriert sich auf konkrete Bewerbungsaufrufe, klare Informationen und systematische Nachfassaktionen.

Innovative Ansätze und passgenaue Kanäle

Moderne Unternehmen setzen auf innovative Formate wie Azubi-Challenges und Talent Days, bei denen Jugendliche Berufe direkt erleben können. Professionelle Elternarbeit durch Infoabende, Werkstattführungen und digitale Q&A-Sessions wird immer wichtiger.
Kooperationen mit Vereinen erschließen Kontaktwege außerhalb der Schule, während niedrige Bewerbungshürden wie WhatsApp-Bewerbungen ohne Anschreiben den Zugang erleichtern.

Bei der Kanalwahl kommt es auf die richtige Zielgruppenansprache an.
Social Media-Angebote in TikTok und Instagram eignen sich ergänzend für die Awareness-Phase, WhatsApp für persönliche Kontakte.
Elternarbeit funktioniert am besten offline und direkt, Peer-Formate optimal in hybrider Form zwischen Schule und Social Media. Facebook und Website bleiben wichtige Kanäle für Eltern und Lehrkräfte.

Der Weg zum Erfolg

Erfolgreiches Azubi-Marketing erfordert eine systematische Herangehensweise. Praktika müssen klar strukturiert und mit fundiertem Feedback versehen werden. Die Elternarbeit sollte professionalisiert und Peer- sowie Azubi-Formate fest etabliert werden. Kanäle müssen präzise auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt sein.

Azubi-Gewinnung ist letztendlich Beziehungsarbeit. Unternehmen müssen früh starten, authentische Erlebnisse ermöglichen, Eltern gezielt einbinden, Peers aktivieren und Bewerbungshürden konsequent abbauen. Entscheidend ist nicht die Lautstärke der Kommunikation, sondern die Passung zur Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Nur wer diese Grundprinzipien beherzigt, wird im Wettbewerb um die besten Nachwuchstalente bestehen.

Literatur:

Ausbildungsperspektiven 2024 (Bertelsmann Stiftung)
Über 50 % der Befragten finden, dass Berufsorientierungs-informationen vorhanden sind, aber die Orientierung schwer fällt (Überangebot an Infos, aber schwer zu unterscheiden). Bertelsmann Stiftung

Ausbildungsreport 2025 (DGB)
In der Befragung von ~8.800 Auszubildenden werden Praktikum, Familie/Freunde (“Freund*innen & Familie”), Webseiten/Internet als wichtige Hilfen beim Finden des Ausbildungsplatzes genannt; Social Media ebenfalls, wenn auch geringer Anteil. Deutscher Gewerkschaftsbund

IHK Ulm / forsa-Umfrage „Eltern und Berufsorientierung“ (2024)
Eltern werden explizit als entscheidende Partner bei der Berufswahl genannt. Mehr als 50 % Einfluss laut Umfrage. Industrie- und Handelskammer

KOFA-Kompakt (Arndt / Herzer / Risius) – Auszubildende über Social Media finden (2025)
Unterschiedliche Kanäle brauchen unterschiedliche Ansätze je nach Schulabschluss. Wichtig: Authentische Inhalte auf Plattformen, auf denen die Zielgruppe ist. Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Studie „Azubi-Recruiting Trends 2024“ (Haufe / U-Form Testsysteme)
Viele angehende Azubis beklagen fehlende Orientierung; erhebliche Lücken bei Informations- und Beratungsangeboten. Praktikum hilft jungen Leuten, sich über mögliche Ausbildungsberufe klar zu werden. Haufe.de News und FachwissenT&U-Kommunikationsmodell
Das T&U-Kommunikationsmodell, auch als T&U-Kommunikationstreppe bekannt, beschreibt einen strategischen sechsstufigen Ansatz, um in der Unternehmenskommunikation Vertrauen (T = Trust) und Verständnis (U = Understanding) aufzubauen. Das Modell zielt darauf ab, die Kommunikation planvoll und zielgerichtet zu gestalten, um eine nachhaltige Beziehung zur Zielgruppe aufzubauen | https://hagenlocher-pr.de/die-tu-kommunikationstreppe/